Die Pre-Shot-Routine gibt Sicherheit und Rhythmus

Benjamin Schlichting
Foto: PGA of Germany

Benjamin Schlichting

PGA Tour Professional

Benjamin Schlichting ist seit sieben Jahren PGA Tour Professional. In seiner Amateurzeit, die er mit Handicap +3 abschloss, war er unter anderem zweimal Deutscher Meister und einmal Südamerikanischer Meister.

Seit 2005 unterstütze ich ihn im mentalen Bereich. Bereits nach der ersten Mental-Session spielte Benjamin die beste Turnierrunde seiner Profilaufbahn, und seine Erfolgskurve zeigt seitdem konstant nach oben. Die vergangene Saison auf der EPD-Tour beendete er mit einem 3. Platz bei der EPD-Championship in Hünfeld.

Das nachfolgende Gespräch mit Benjamin Schlichting dient als Ergänzung und Vertiefung meines gleichnamigen Artikels im Golf-Magazin “Fairways”, Ausgabe Juli/August 2008.


Benji, ich möchte mich heute mit Dir über das Thema Pre-Shot-Routine unterhalten. Vorab: Warum ist die Pre-Shot-Routine für Dich persönlich so wichtig?

Foto: Alexandra Philipp

Auch die Schlägerwahl gehört zur Pre-Shot-Routine.

In erster Linie, um gleichbleibende Gedanken zu haben. Eine Pre-Shot-Routine sorgt dafür, dass mein Körper vor dem Schlag immer den gleichen oder zumindest immer einen ähnlichen Ablauf durchläuft. Diese Bewegungsroutine sorgt dafür, dass auch meine Gedanken die gleichen sind. Das verhindert, dass sich irgendwelche negative Gedanken einschleichen, die mich beim Schlag behindern könnten.

 

 

Bevor wir uns die wichtigsten Elemente deiner persönlichen Pre-Shot-Routine einmal näher anschauen, ein Wort vorab von meiner Seite: Es gibt natürlich nicht „die“ Pre-Shot-Routine. Und wer das Gefühl hat, dass seine Routine oder seine Rituale vor dem Schlag für ihn die richtigen sind, der sollte daran dann auch nichts ändern, oder wie siehst Du das?

Absolut richtig. Never change a winning team.

 

Aber es gibt eben einige Elemente, die schon sehr empfehlenswert sind. Welche sind das bei Dir?

Das beginnt bei mir mit der Informationssammlung. Das ist übrigens etwas, was viele Amateure gerade unter Druck gerne mal vergessen.

 

Es ist ja bekannt, dass wir Menschen unter Druck eher schlechtere Entscheidungen treffen…

Genau! Um das zu verhindern, ist es gerade in solchen Situationen umso wichtiger, dass ich mir alle nötigen Infos checklistenartig abrufe. So behalte ich die Kontrolle über meine letztendliche Entscheidung, anstatt einfach nur noch auf die Situation zu reagieren. Auf die Informationssammlung und -auswertung sollte man niemals verzichten.

 

Was gehört denn da alles dazu?

Foto: Alexandra Philipp

Erste Überlegung: Wo will ich eigentlich hinschlagen?

Als allererstes muss ich mir überlegen, wo ich hinschlagen will. Gibt es Bunker, Wasserhindernisse oder überstehende Baumkronen? Wie fällt das Fairway? Wie ist die Fahne gesteckt? Kann der Ball zur Fahne ausrollen, oder sollte ich ihn darüber hinausspielen und ihn mit Backspin zurücklaufen lassen?

 

Wenn ich weiß, wie und wohin ich den Ball spielen möchte, vermesse ich den Schlag. Viel wichtiger als die reale Distanz zum Ziel ist jedoch, wie lang sich der Schlag tatsächlich spielt, alle inneren und äußeren Umstände miteingerechnet.

 

Was heißt das genau?

Na ja, im Regen schlägt es sich nicht so weit wie bei Sonnenschein, an der Nordsee nicht so weit wie in den Alpen. Dann kommt noch die Frage der Windstärke und -richtung hinzu. All diese Aspekte müssen bei der Längenberechnung berücksichtigt werden. Daraus ergibt sich dann eine Art virtuelle Länge.

 

Und die bestimmt dann die Schlägerwahl…

Da gibt es noch einen ganz wichtigen Aspekt: Meine Tagesform. Viele Hobbygolfer messen 140 Meter und nehmen dann ein Eisen 8, weil sie irgendwann auf der Range schon mal ein Achter auf diese Weite gebracht haben. Ich sollte bei der Schlägerwahl aber nicht von meinem unter optimalen Umständen bestmöglichen Schlag ausgehen, sondern eher von meinem durchschnittlichen Schlagvermögen und davon, was ich heute so in petto habe.

Bei der Schlägerwahl sollte die
durchschnittliche, nicht die bestmögliche
Reichweite ausschlaggebend sein.

 

Wie geht es bei Dir weiter, wenn Schlag und Schläger feststehen?

Am Abschlag tee ich dann auf. Anschließend gehe ich hinter den Ball.

 

Auch das ist etwas, was ich immer wieder sehe: Die Leute teen auf und gehen dann teilweise fünf, sechs Meter hinter den Ball. Wenn ich bedenke, dass sie den ganzen weiten Weg wieder zurück zum Ball gehen müssen, wundere ich mich manchmal, dass sie hernach noch die Kraft zum Schlagen haben. Wie weit gehst Du hinter den Ball?

Ich gehe nur so weit zurück, wie es nötig ist, um meinen aufgeteeten Ball und mein Ziel gleichzeitig sehen zu können. Das finde ich wichtig für das Visualisieren.

 

Visualisieren bedeutet, der Golfer stellt sich den bevorstehenden Schlag und den Flug des Balles schon einmal vorab vor seinem geistigen Auge vor. Das hilft entscheidend bei der Programmierung des Gehirns für den eigentlichen Schlag.

Der Name „Visualisieren“ trügt jedoch ein wenig. Denn den bevorstehenden Schlag kann man sich nicht nur visuell vorstellen, sondern auch auditiv und kinästhetisch, also hören und fühlen. Ich kenne viele Leistungssportler verschiedenster Disziplinen, die vornehmlich über ein vorgestelltes Bewegungsgefühl „visualisieren“.

Aber zurück zu Dir, Benji. Wie sieht das Visualisieren bei Dir aus?

Foto: Alexandra Philipp
Du empfiehlst mir ja immer wieder, den gesamten Schlag vom Schwung bis zum Stehenbleiben des Balls zu visualisieren. Meine Gedankenbilder fangen allerdings erst an, wenn der Ball schon in der Luft ist, etwa am höchsten Punkt. Dann sehe ich ihn fallen und ausrollen.

 

Wie gesagt: Alles ist okay, was für Dich funktioniert. Aber es stimmt: In der Regel empfehle ich, sich den gesamten Ballflug vorzustellen. Bei wem sich das Bild noch nicht richtig einstellt, der kann den Film auch mal rückwärts ablaufen lassen: Der Ball liegt in seiner Endposition, dann rollt er, hebt ab, fliegt und landet vor den Füßen. Und dann wieder vorwärts: Schlag, Flug, Landen, Rollen, Stillstand. Und wieder rückwärts und nochmals vorwärts. Dann brennt sich der Schlag geradezu ins Gehirn ein, und unser Körper wird anschließend intuitiv alles tun, um dieser Vorstellung zu entsprechen.

Wichtig ist nur: Nimm Dir die Zeit für das Visualisieren. Das kann ich jedem nur immer wieder raten. Denn wenn der Kopf nicht weiß, was von ihm erwartet wird, kann er unseren Körper nicht entsprechend programmieren.

Viele Amateure haben Probleme mit dem Visualisieren, weil es ihnen zu „touchy-feely“ ist. Aber viele Spitzensportler schwören darauf, egal ob Skifahrer, Stabhochspringer, Formel 1-Fahrer oder eben Golfer. Wer mal Tiger Woods bei seiner Pre-Shot-Routine beobachtet, wird sehen, dass er etwa acht Sekunden auf das Visualisieren des Ballflugs verwendet. Er macht dies, im Gegensatz zu Dir, Benji, allerdings nach dem Probeschwung.

Das ist leider nicht das einzige, was uns unterscheidet. Aber im Ernst: Ich mache meine Probeschwünge nach dem Visualisieren. Dabei stehe ich nach wie vor hinter dem Ball, aber dann bereits in Schlagrichtung.

 

Das halte ich auch für gut so. Viele Golfer stehen bei ihren Probeschwüngen frontal zu ihrem Ziel, insbesondere beim Putten. Ich hätte da immer die Sorge, dass ihr Unbewusstsein da irgendwelche „Mikro-Gegenbewegungen“ einbaut, um die scheinbar falsche Ausrichtung wieder auszugleichen.

Aber wie gesagt: Jeder, wie es für ihn oder sie passt. Wie viele Probeschwünge machst Du?

Das ist unterschiedlich. Meistens zwei. Wenn mein Schlaggefühl mit meiner Visualisierung übereinstimmt, wenn beide zueinander passen, dann ist das für mich das „Go!“-Signal, um an den Ball heranzugehen. Ganz entscheidend ist, dass ich mein Gefühl aus dem Probeschwung mit an den Ball nehmen kann. Vorher suche ich mir aber noch mein Zwischenziel.

 

Das ist ein gutes Stichwort. Auch da diskutieren die Golfer: Wie weit entfernt vom Ball sollte das Zwischenspiel liegen? Und was sollte man als Zwischenziel nehmen?

Foto: Alexandra Philipp

Wichtig: Zielausrichtung und Wahl eines Zwischenziels

Ob Divot, ein altes Tee oder ein Strohhalm, ob zwei Meter oder zehn – das ist im Grunde alles gar nicht so entscheidend. Viel wichtiger ist, dass ich es, sobald ich am Ball stehe, auch gut wiederfinde und es auch nicht verwechsle. Es macht keinen Sinn, einen Strohhalm in zehn Metern Entfernung zu nehmen. Es ist aber genauso unsinnig, ein Riesendivot zu nehmen, das zwei Meter vor meinem Ball liegt: Gemäß Strahlensatz ist das Streupotential dann natürlich immens groß.

 

 

Okay, wie geht es dann weiter, sobald Du am Ball stehst?

Wie schon gesagt: Ich richte mich an meinem Zwischenziel aus. Sobald mein Stand stimmt, beginnt der Schwung. Beim Take-away habe ich nur noch meinen Schwunggedanken im Kopf.

 

Richtig, sobald der Spieler am Ball steht, sollte er alle bewussten Gedankenspiele nach Möglichkeit beenden. Ich habe neulich einen Hobbygolfer mittleren Handicaps gefragt, woran er kurz vor dem Schlag denkt, und er zählte mir mehr als ein halbes Dutzend Punkte auf, an die er unbedingt denken müsse.

Mein derzeitiger Schwunggedanke lautet ganz einfach „Drehen winkeln“. Es soll mich an meine Körperrotation im Rückschwung und an das Winkeln der Handgelenke im Durchschwung erinnern.

 

Zwei Gedanken sind auch schon das Maximum. Ein Golfschwung dauert insgesamt keine zwei Sekunden, mit Denken ist da nicht mehr viel. Da sollten sich Amateure wie Profis auf ihre unbewusste Kompetenz und ihr „Muskelgedächtnis“ verlassen.

Es ist ohnehin zu 99 Prozent unser Unbewusstsein, unsere unbewusste, auch ohne viel Denken vorhandene Kompetenz, die unsere Golfschläge steuert. Gerade darum finde ich es so wichtig, dass wir unser Unbewusstsein auch im Training nicht mit falschen Programmanweisungen füttern. Manche Trainer empfehlen da abstruse Spielchen, wie etwa Putts absichtlich links oder rechts am Loch vorbeizuschieben. Aus mentaler Sicht ein absolutes Unding, aber lassen wir das.

Wir sind jetzt Deine gesamte Pre-Shot-Routine durchgegangen. Ich möchte Dich jedoch bitten, mir noch bei der Beantwortung einiger Fragen zur Seite zu stehen, die mir bei meinen Coachings und Vorträgen immer wieder gestellt werden.

Gerne, schieß los.

 

Machst Du in jeder Situation und bei jedem Schlag eine komplette Pre-Shot-Routine?

Foto: golffoto.de
Ja und nein. Ich habe schon jedes Mal eine Routine, aber die ist nicht starr. Bei strömendem Regen stehe ich nicht gerne allzu lange ohne Schirm hinter dem Ball. Beim Chippen brauche ich ein paar Probeschwünge mehr, um das Gefühl aufzubauen. Meine Putt-Routine sieht natürlich auch wieder ganz anders aus.

Und oft genug wird die Pre-Shot-Routine auch vom Regelwerk her beeinflusst. Wird mit Besserlegen gespielt, gehört das Aufnehmen und Reinigen des Balles natürlich auch in die Routine – auch etwas, was viele Hobbygolfer gerne vergessen. Und dann mit einem Dreckklumpen am Ball weiterspielen.

Das Besserlegen geht nach einigen Runden teilweise so sehr in Fleisch und Blut – will sagen: in die Routine – über, dass man, wenn es dann irgendwann nicht mehr gilt, nach dem ersten Abschlag für einen kurzen Moment fast instinktiv nach dem Ball greifen möchte.

 

Viele Amateure lassen ihre Pre-Shot-Routine weg oder durchlaufen sie superhektisch, sobald sie oder ihr Flight in Zeitdruck sind. Auch bei provisorischen Bällen oder nach Schlägen ins Aus wird die Routine gerne mal komplett vergessen…

Ganz großer Fehler, denn gerade dann könnte ihnen ihre Pre-Shot-Routine helfen, ihren Spielrhythmus und ihre Sicherheit zurück zu erlangen. Sobald sie sich so sehr von der Drucksituation gefangen nehmen lassen, verlieren sie die Kontrolle über ihr Spiel. Zeit sollten Golfspieler niemals in ihrer Schlagvorbereitung einsparen.

 

Sondern wie?

Foto: Alexandra Philipp

Das Bag an der richtigen Stelle spart viel Zeit.

Wenn der Grund für die Verzögerung bei mir liegt, muss ich mich besser organisieren: Ich mache meine Vermessungen und Überlegungen dann schon, während ich mich meinem Ball nähere oder während mein Mitspieler schlägt. Oder ich stelle mein Bag so hin, dass ich nach dem Schlag keine großen Umwege laufen muss.

 

Wenn die Ursache für einen langsamen Flight bei einem Mitspieler liegt, dann spreche ich denjenigen darauf an. Einem Flightpartner zu sagen „Du bist zu langsam“ ist nicht unsportlich, sondern das adäquate Mittel, um sich selbst und dem gesamten Flight unnötigen inneren Groll und Ärger mit dem Referee zu ersparen.

 

Oberste Prämisse beim Golfen sollte immer sein: Druck vermeiden. Denn wie wir schon festgestellt haben: Unter Druck treffen wir tendenziell schlechtere Entscheidungen. Außerdem verlieren wir den optimalen Muskeltonus und damit Gefühl und Weite.

Ganz genau. Niemand sollte sich sein Spiel von einem Mitspieler kaputt machen lassen.

 

Was machst Du, wenn es während der Pre-Shot-Routine nicht rund läuft? Wenn Du gestört wirst, wenn Du Dein Gefühl nicht aufbauen kannst, Du an Deinen Entscheidungen zweifelst oder sich negative Gedanken in Deinem Kopf festsetzen?

Auf jeden Fall abbrechen. Wenn Deine Pre-Shot-Routine kompakt und bündig ist, dann hast Du auch die Zeit, ab und zu mal abzusetzen und neu zu beginnen. Je nach dem, wo es hakt, gehe ich einen, zwei oder notfalls auch alle Schritte zurück. Bei kleineren Störungen fange ich meistens wieder beim Probeschwung an.

 

Eine weitere Frage, die ich immer wieder höre: Kann und sollte ich meine Pre-Shot-Routine regelmäßig trainieren?

Ja und ja! Routine hat ja was mit Gewöhnung zu tun. Wenn ich einen solchen Prozess nicht immer wieder durchlaufe, wird er nicht zur Routine.

Foto: Alexandra Philipp

Benjamin Schlichting (li.), Harald Dobmayer

Auf der Range habe ich ja normalerweise auch eine eigene Routine, eine Art Technik-Routine: Ich versuche, an mehrere Aspekte meines Golfschwungs gleichzeitig zu denken, schlage meine Bälle relativ schnell weg, kümmere mich vielleicht auch nicht wirklich um meine Ausrichtung, die Schlaglänge und das Ziel.

Diese Routine darf ich aber auf keinen Fall auf die Runde mitnehmen. Deshalb ist es so wichtig, mich am Ende des Training von meiner Technik-Routine zu verabschieden und auf meine Ball-zum-Ziel-Routine, also meine eigentliche Pre-Shot-Routine, umzusteigen.

 

Außerdem wird eine Pre-Shot-Routine dadurch, dass ich sie auf der Range übe, auch eine Art mentaler Anker für eine entspannte Situation. Zumindest neutralisiere ich dadurch einen möglichen negativen Anker der Turnier-Drucksituation. Aber wie trainiere ich meine Routine am besten?

Ich empfehle jedem Golfer, auf der Driving Range zumindest bei den letzten zehn Bällen im Korb auf jeweils unterschiedliche Ziele zu zielen. Das zwingt sie, jedes Mal den richtigen Schläger zu wählen, das richtige Schlag- und Längengefühl aufzubauen und sich jedes Mal neu auszurichten – alles wichtige Elemente einer Pre-Shot-Routine.

Foto: Alexandra Philipp

Auch beim kurzen Spiel: Visualisieren!

Zudem bringe ich mich durch diese Routine auch gleich in den richtigen Rhythmus für eine eventuelle anschließende Platzrunde, weil ich ja nun nicht mehr einfach „sinnlos“ Bälle rausfeuere.

 

Beim kurzen Spiel kann ich das Visualisieren üben, indem ich mir die optimalen Auftreffpunkte meines Balles mit Tees markiere. Vielen Spielern fällt es, wenn sie beginnen, sich mit mentalem Training zu beschäftigen, auf diese Weise leichter, sich den Weg des Balles vor dem Schlag vorzustellen. Und sie können das richtige Schwunggefühl leichter aufbauen.

Ich kann mir die verschiedenen Schritte meiner Pre-Shot-Routine auch mit Verkehrshütchen markieren: Wo stelle ich mein Bag ab? Wo mache ich meinen Probeschwung?

 

In dem Zusammenhang möchte ich gerne noch ein unverzichtbares Element jeder „Pre-& Post-Shot-Routine“ erwähnen: Ihr endgültiges Ende. Das sollte ein Punkt ein paar Schritte vom Abschlag in Richtung meines Balles entfernt sein. Sobald ich diese Stelle überschreite, sollte ich mich mit meinem letzten Schlag nicht mehr beschäftigen. Allen Ärger sollte ich dahinter zurücklassen und nur noch nach vorne schauen.

Benji, zum Abschluss: Kannst Du Dich an eine Wettkampf-Situation erinnern, bei der Deiner Pre-Shot-Routine eine entscheidende Bedeutung zukam?

Ich erinnere mich an das Stechen bei meinem Sieg auf der EPD-Tour in Haus Bey vergangenes Jahr. Es war vor allem sowohl ein positives als auch ein negatives Beispiel für eine Pre-Shot-Routine.

Auf der regulären 18 am Schlusstag musste ich unbedingt ein Birdie schießen, um überhaupt ins Stechen zu kommen. Es regnete und ich hatte Gegenwind. Ich machte eine sehr sorgfältige Pre-Shot-Routine und spielte einen flachen Drive perfekt auf’s Fairway.

Foto: EPD Tour

Mit Pre-Shot-Routine zum EPD-Toursieg!

Auch das Stechen fand an besagter 18 statt. Unter diesem Druck bemerkte ich allerdings nicht, dass sich die Bedingungen in kürzester Zeit komplett geändert hatten: Der Regen hatte aufgehört, die Sonne kam durch und der Gegenwind war weg. Meine Konkurrenten spielten beide ihr Holz 3 vom Abschlag und wunderten sich gewaltig, dass ich meine Wumme rausholte.

 

Insofern ein schlechtes Beispiel: Ich schluderte in meiner Pre-Shot-Routine und sammelte nicht die notwendigen Informationen, um zu bemerken, dass der Ball diesmal sehr viel weiter fliegen wird. Andererseits – und das ist das Positive – half mir meine Pre-Shot-Routine in dieser Situation, mein gutes Gefühl von der regulären 18 wieder aufzubauen. So hämmerte ich meinen Abschlag mit größter Zuversicht vom Tee.

Zu meinem Glück stoppte der Ball nach 270 Metern rechtzeitig vor dem frontalen Wasserhindernis, und ich konnte meinen ersten Sieg auf der EPD-Tour einfahren.

Über den Autor

Harald Dobmayer

Harald Dobmayer

Harald begann seine berufliche Laufbahn 1987 als freier Wort- und Bildjournalist für zahlreiche Zeitungen und Zeitschriften. Anfang der Neunziger Jahre verlagerte er seinen Tätigkeitsschwerpunkt in Richtung Beratung, Coaching und Training. Seit 2002 bietet er unter dem Markennamen pro performance® Medien- und Auftrittstraining sowie Mental-Coaching an.

 
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