Antworten Sie zunächst einmal auf den Punkt.

Performance-Tipp Nr. 7

Foto: iStockphoto.com / macniak

Klare Antworten geben Orientierung.

Geht es Ihnen genauso? Ich finde in Fernseh-Interviews nichts nerviger als folgende Situation: Der Journalist stellt eine klare Frage, die eine ebenso prägnante Antwort verdient. Sein Interviewpartner holt jedoch sofort ganz weit aus und erklärt und redet und schweift aus, statt sein Gegenüber (und mich als Zuschauer) zunächst einmal mit einer eindeutigen Antwort zufriedenzustellen.

Das muss nicht immer ein Ja oder ein Nein sein (darf es aber durchaus gerne). Und er darf seine Antwort danach auch gerne weiter ausführen (ich bitte sogar darum). Aber es macht dem Leser/Zuschauer/Hörer das inhaltliche Verstehen einfach deutlich leichter, wenn er weiß, worauf der Interviewte letztendlich hinaus möchte.

Es geht also darum, am Anfang der Antwort die Richtung vorzugeben, in die der Befragte argumentieren wird. Gleichzeitig ist es häufig hilfreich, bereits zu Beginn aufzuzeigen, wie man seine Antwort strukturieren wird. Erst danach sollten Sie Ihre prägnante Punkt-Landung näher begründen bzw. ausführen. Einige Beispiele:

  • “Selbstverständlich werde ich auch weiterhin zur Verfügung stehen. Und zwar aus zwei Gründen…”
  • “Nein, die Meinung teile ich nicht. Und ich werde Ihnen auch sagen, warum: …”
  • “Ja, das ist durchaus möglich. Ich nenne Ihnen mal zwei Beispiele…”
  • “Das kann ich heute nicht eindeutig beantworten. Das ist von folgenden Faktoren abhängig: …”

Auf den Punkt antworten heißt:
Eine klare Richtung vorgeben und
dadurch Orientierungshilfe leisten.

Am letzten Beispiel erkennen Sie, dass Sie sich durchaus nicht zu Ja-/Nein-Antworten drängen lassen müssen. Ich erinnere mich in diesem Zusammenhang an ein Interview mit einem Spitzenpolitiker, in dem in etwa folgender Dialog vorkam:

  • Journalist: “Wir haben nur noch 30 Sekunden Sendezeit, daher bitte nur mit Ja oder Nein antworten: Wird es mit Ihnen nach der Wahl Steuererhöhungen geben?”
  • Politiker: “Es gibt Fragen, die kann man nicht mit Ja oder Nein beantworten. Wenn Sie mich heute fragten: ‘Schlagen Sie Ihre Frau immer noch?’, wäre jede Ja- oder Nein-Antwort schlichtweg falsch…”

Recht hat er, der Herr Politiker. Und dennoch befreit ihn die Verweigerung einer Ja-/Nein-Antwort nicht von der Verpflichtung, “inhaltlich abzuliefern”. Auch klare Punkt-Antworten ohne nachfolgende Ausführungen sind unbefriedigend und wirken oft arrogant und abweisend.

Bedenken Sie auch die Wirkung klarer, prägnanter Aussagen auf Ihr Image: Wenn Ihre Zuschauer und Zuhörer das Gefühl bekommen, Sie reden nicht um den heißen Brei herum, sondern “reden Tacheles”, werden sie Sie als ehrlich, authentisch und stark wahrnehmen.

Grafik: pro performance

Praktische Bau-Anleitung: Das Statement-Karo.

Möglicherweise hilft Ihnen mein Statement-Karo dabei, Ihre Antwort-Statements zukünftig vorab sinnvoll zu gestalten: Beginnen Sie mit einer kurzen, prägnanten Punkt-Landung. Kündigen Sie dann an, wie Sie Ihre weiteren Ausführungen strukturieren werden (“…und zwar aus zwei Gründen…”) und führen Sie dann weiter aus.

Am Ende können Sie Ihre Eingangsantwort gerne noch einmal wiederholen. Das verleiht ihr Nachdruck, rundet Ihr Antwort-Statement elegant ab und setzt sich im Gedächtnis Ihres Publikums fest. Und wenn Sie erneut kurz und prägnant ist, kostet Sie auch keine wertvolle Sendezeit…


Über den Autor

Harald Dobmayer

Harald Dobmayer

Harald begann seine berufliche Laufbahn 1987 als freier Wort- und Bildjournalist für zahlreiche Zeitungen und Zeitschriften. Anfang der Neunziger Jahre verlagerte er seinen Tätigkeitsschwerpunkt in Richtung Beratung, Coaching und Training. Seit 2002 bietet er unter dem Markennamen pro performance® Medien- und Auftrittstraining sowie Mental-Coaching an.

 
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2 Kommentare zu “Antworten Sie zunächst einmal auf den Punkt.”

  • Michaela Hachemer
     

    Richtig so! Diese ausweichenden Antworten von Politikern schaffen nur Mißtrauen.

  • Harald Dobmayer
    Harald Dobmayer
     

    Ein gutes weiteres Beispiel, wie man durch eine ausweichende Antwort eine ungewollte Botschaft vermittelt, bot vor wenigen Tagen auch König Carl XVI. Gustaf von Schweden, als er von der Nachrichtenagentur TT gefragt wurde, ob er jemals in einem Stripclub gewesen sei: “Das hängt davon ab, was man unter einem Strip- oder Sexklub versteht. Das ist ein weiter Begriff”, soll der Monarch geantwortet haben. Ein klares Dementi sieht anders aus…

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