Einfach (und) auf den Punkt
Wie Apple-Gründer Steve Jobs ganze Hallen begeisterte.

Steve Jobs in seinem Element
Auf der Bühne wurde der CEO des Computer-Riesen Apple seit vielen Jahren gefeiert wie kein anderer Wirtschaftsboss: Seine Fans verbrachten ganze Nächte in eisiger Kälte, um ein Ticket zu einer seiner Auftritte zu ergattern. Wenn Steve Jobs in Jeans und schwarzem Rollkragen-Pullover schließlich die Bühne betrat, kreischten seine Fans und ehrten ihn mit Standing Ovations, noch bevor er überhaupt ein Wort gesagt hatte. Die Produktinnovationen, die er zu verkünden hatte, waren wichtig – doch noch wichtiger war es, IHN einmal live gesehen zu haben. Ohne Frage war Steve Jobs für die Computerbranche, was Mick Jagger für das Musik-Business ist: Ein Rockstar. Ein Gott. Eben: Der iGod (in Anspielung auf seine Erfindung, den MP3-Player iPod).
Am gestrigen 5. Oktober 2011 starb Steve Jobs nach langer Krankheit. Die Mitteilung über Steve Jobs’ Tod auf der Apple-Homepage war ebenso schlicht gehalten wie die Präsentationen des Firmengründers: “Steve Jobs”, stand dort zu lesen, “1955 – 2011″, daneben ein Schwarz-Weiß-Foto des charismatischen Marketing-Genies.
“Anhand dieses Prinzips gestaltet Jobs auch seine Folien. Jede Folie ist einfach, anschaulich und spannend”, erklärt Carmine Gallo, der die Präsentationskunst des Apple-Gründers unter die Lupe genommen und Jobs Tricks und Kniffe 2010 in seinem Buch “The Presentation Secrets of Steve Jobs. How to be Insanely Great in Front of Any Audience” vorgestellt hat.

Jetzt ist das Buch auch in der deutschen Übersetzung unter dem Titel “Überzeugen wie Steve Jobs” erschienen. Kommunikations- und Mediencoach Carmine Gallo hat sich Jobs’ Präsentationen seit der Markteinführung des Apple Macintosh im Jahre 1984 angeschaut, und genau das empfiehlt er seinen Lesern auch, wenn sie vom Meister der Inszenierung lernen möchten: “Es ist sinnvoll, zusätzlich … YouTube zum Üben zu nutzen. Als dieser Text entstand, gab es auf YouTube mehr als 35.000 Videos von Steve Jobs”, verrät Gallo.
Sein Buch gliedert der ehemalige CNN-Nachrichtensprecher in drei Akte und insgesamt 18 Szenen. Diese Analogie zum Theater will er sich ebenfalls beim Apple-Gründer abgeschaut haben: “Tatsächlich hat eine Präsentation von Steve Jobs viel von einem Theaterstück: Es handelt sich um eine sorgfältig ausgearbeitete und gut einstudierte Vorführung, die informiert, unterhält und spannend ist.”
Genau das möchte ich dem Kollegen Gallo gerne ebenfalls bescheinigen. Sein Buch wird sicherlich nicht zum Standardwerk der Präsentationstechnik avancieren, und viele seiner Analyse-Ergebnisse erscheinen mir reichlich konstruiert. Viele seiner Empfehlungen sind altbekannte Grundregeln (“Das beste Mittel gegen Lampenfieber ist eine intensive Vorbereitung”, “Lesen Sie nicht von Ihren Notizen ab”, “Kleiden Sie sich immer etwas besser als alle anderen und dem jeweiligen Anlass angemessen”), doch deshalb nicht weniger richtig und wichtig.

Die Apple-Homepage am 5. Oktober 2011
Eine Präsentation 1:1 gemäß Gallos Empfehlungen zu realisieren, ist wohl kaum möglich und wäre auch wenig authentisch. Doch was sein Buch “Überzeugen wie Steve Jobs” schafft: Es gibt Denk- und Handlungsanstöße hin in Richtung eines neuen, eleganten, schwerelosen Präsentationsdesigns. Es gibt seinen Lesern Anregungen, wie sie aus ihren Präsentationen künftig “iPräsente” für ihre Zuschauer machen. Und allein das macht es für jeden lesenswert, der ab und an ein Live-Publikum fesseln möchte.
Gallo, Carmine: Überzeugen wie Steve Jobs.
Ariston-Verlag, München, 2011.
ISBN 978-3-4242-0044-7, 18,99 €.
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