Ihr Angstgegner wohnt zwischen Ihren Ohren!

Performance-Tipp Nr. 11: Wie Sie den "Feind in Ihrem Kopf" bekämpfen.

Angstgegner werfen lange Schatten...

In sechs Bundesliga-Spielen konnte Borussia Dortmund nur einmal gegen die TSG Hoffenheim gewinnen. Auch in ihrer Meister-Saison 2010/2011 waren ein Remis und eine Niederlage die magere Ausbeute von Jürgen Klopps Siegertruppe. Der vergangene Bundesliga-Samstag passte da perfekt in diese Serie: Die Kloppo-Elf aus Dortmund verlor einmal mehr gegen das Hoppo-Team aus Sinsheim.

“Angstgegner” sind jedoch kein reines Fußball-Phänomen. So galt der argentinische Tennisspieler David Nalbandian fünf Jahre lang als Angstgegner des späteren Weltranglisten-Ersten Roger Federer: Sechsmal in Folge verlor der Schweizer in den Jahren 1998 bis 2003 gegen den Südamerikaner.

Doch der eigentliche Gegner lauert bei diesem Phänomen nicht in der gegnerischen Hälfte des Platzes, sondern vielmehr zwischen den eigenen beiden Ohren: Es ist ein negatives gedankliches Konzept. Hintergrund: Unser Gehirn ist stets bemüht, gemachte Erfahrungen zu strukturieren, Muster zu identifizieren, Verknüpfungen zu bilden.

Dies ist evolutionsbedingt entstanden und normalerweise eine sehr kluge Einrichtung der Natur: Ein Steinzeitmensch, der einmal von einem Bären angegriffen wurde, hat beim nächsten Mal die Beine in die Hand genommen und ist geflohen. Ein kleines Kind, das einmal auf die heiße Herdplatte gefasst hat, wird dies in der Regel kein zweites Mal machen.

In Gefahrensituationen warnt uns unser Gehirn also aufgrund bereits gemachter Erfahrungen vor: “Hey! Das hat letztes Mal weh getan! Pass diesmal besser auf, oder noch besser: Lauf, so schnell Du kannst!” Um unser Denken in solchen Situationen noch zu beschleunigen und uns zusätzliche Energiereserven für den Überlebenskampf oder die Flucht zur Verfügung zu stellen, befiehlt das Gehirn dem Nebennierenmark womöglich noch, zusätzliches Adrenalin auszustoßen.

Foto: Christian Mesiano, CC BY-SA 2.0

Federer-Angstgegner David Nalbandian

Nett gemeint, doch leider steigt beim Ausstoß von Adrenalin auch unser Angstvermögen. Statt die entstehenden negativen Erinnerungen dazu zu nutzen, geeignete Gegenmaßnahmen zu suchen, um die gemachten negativen Erfahrung nicht zu wiederholen, werden wir nervös, vielleicht sogar panisch. Immer wieder spielen wir uns in unserem inneren Kopfkino den Film der schmerzlichen Niederlagen in der Vergangenheit vor.

Je häufiger dies der Fall ist, desto stärker “brennen” sich diese Bilder in unserem Denken ein, da in unseren neuronalen Netzen entsprechende Synapsen entstehen. Dies führt dazu, dass bestimmte Gegner – bewusst oder unbewusst! – von unserem Gehirn mittelfristig mit Niederlagen assoziiert werden. Mit unseren ständigen Gedanken an unseren Angstgegner programmieren wir also unser Gehirn sozusagen auf eine Niederlage hin. Manch einer nennt dies “sich selbsterfüllende Prophezeihung”. Doch die einzigen höheren Mächte, die dabei im wahrsten Sinne des Wortes “im Spiel” sind, sind dabei unsere Gedanken.

Das Hoffenheimer Siegtor fiel am Samstag übrigens bereits in der neunten Minute durch einen Freistoß aus knapp 30 Metern. Und auch das passt sehr gut zum Phänomen “Angstgegner”: Ein Team, das möglicherweise schon vor dem Spiel mit negativen Gedankenspielen belastet wird, bekommt nach nicht einmal zehn Minuten die Bestätigung seiner schlimmsten Befürchtungen. Dass so etwas paralysiert, dass so ein Spielverlauf den Glauben verstärkt, diese Mannschaft einfach nicht besiegen zu können, liegt auf der Hand.

Doch wie können wir uns gegen das Phänomen, das Gedankenkonzept “Angstgegner” zur Wehr setzen?

Drei Mittel gegen “Angstgegner”:

  1. Bestehende Rituale verändern, um negative Assoziationen aufzuheben.
  2. Niederlagen verarbeiten, um Mini-Traumata aufzulösen.
  3. Mit positiven Erinnerungen beschäftigen, um das Gehirn auf Sieg zu programmieren.

Hannover 96-Trainer Mirko Slomka empfahl den Dortmundern beim TV-Talk “Doppelpass” gestern, die Rituale vor den Spielen gegen Hoffenheim zu verändern, etwa beim nächsten Mal ein anderes Hotel zu buchen. Das Ändern von Ritualen ist in solchen Fällen sicherlich eine sinnvolle Maßnahme, denn dadurch brechen wir unter Umständen die entstandenen neuronalen Verknüpfungen (“Wenn wir in dem Hotel wohnen, verlieren wir immer”) auf. Und ohnehin gilt beim Mental-Coaching generell: “Du kannst nichts ändern, wenn Du nichts veränderst!”.

Ich möchte Ihnen noch zwei weitere Empfehlungen geben, um ihre gedanklichen Angstgegner zu besiegen.

Niederlagen abschließend verarbeiten. Oft setzen sich gerade bittere Niederlagen als “Mini-Traumata” in den Köpfen fest. Dies resultiert meistens daraus, das diese Niederlagen vom Gehirn bislang nicht ausreichend verarbeitet worden sind. Beugen Sie dem Phänomen Angstgegner also dadurch vor, dass sie Niederlagen ausreichend – und vor allem: abschließend! – analysieren: Was ist geschehen? Was können wir daraus für die Zukunft lernen? Was können wir nächstes Mal (ver-)ändern? Danach sollte der Blick dann konsequent nach vorne gerichtet werden.

Foto: Justin Smith, CC BY-SA 2.0

Überwand seinen Angstgegner: Roger Federer.

Positives Kopfkino. Ändern Sie das Kinoprogramm in Ihrem Kopf: Verbannen Sie die Erinnerungen von der Niederlage ins Archiv und zeigen Sie in Ihrem Kopfkino stattdessen positive Filme. Wie immer gilt: Wir bekommen negative Gedanken nur aus dem Kopf, indem wir sie durch positive ersetzen.

Übrigens überwand Roger Federer sein Gedanken-Konzept “Angstgegner Nalbandian”, indem er sein Spielkonzept gegen den Argentinier komplett umstellte. Seit 2003 hat der Schweizer zehn von 13 Partien gegen Nalbandian gewonnen. Und stand 2004 prompt zum ersten Mal an der Spitze der Weltrangliste.


Über den Autor

Harald Dobmayer

Harald Dobmayer

Harald begann seine berufliche Laufbahn 1987 als freier Wort- und Bildjournalist für zahlreiche Zeitungen und Zeitschriften. Anfang der Neunziger Jahre verlagerte er seinen Tätigkeitsschwerpunkt in Richtung Beratung, Coaching und Training. Seit 2002 bietet er unter dem Markennamen pro performance® Medien- und Auftrittstraining sowie Mental-Coaching an.

 
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2 Kommentare zu “Ihr Angstgegner wohnt zwischen Ihren Ohren!”

  • Stephanie
     

    Gegner im Allgemeinen sind ja nicht kontrollierbar – und auch das Ergebnis nicht. Inwiefern lässt sich das denn mit den neuronalen Netzen verknüpfen?

  • Harald Dobmayer
    Harald Dobmayer
     

    Es ist richtig: Gegner und Ergebnis sind nicht kontrollierbar – wohl aber die Art und Weise, wie wir mit beidem umgehen! Und genau darum geht es! Wir können entsprechende Angstgegner-Verknüpfungen/-Assoziationen in unserem Kopf verhindern, indem wir diesen Gegner und die Niederlagen gegen ihn ganz bewusst wie alle anderen Geschehnisse behandeln: 1. Analysieren, 2. (aus uns selbst heraus umsetzbare) Lösungen identifizieren, 3. Spiel/Gegner abhaken.

    Einen Aspekt habe ich in dem Artikel noch vergessen: Es ist wichtig, aus dem „Weg von…“ wieder ein „Hin zu…“ machen! Also nicht mehr „Bloß nicht wieder gegen die verlieren…“, sondern stattdessen zum Beispiel „Mit unserer Strategie das Beste herausholen und alles in unserer Macht Stehende unternehmen, um zu gewinnen!“

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