Spiel, Satz und Sieg für die Körpersprache
Stellen Sie sich vor, Sie könnten Ihrem Gegner sagen, dass Sie gewinnen werden - und er würde es auch noch glauben!
Es war ein Paradebeispiel dafür, wie Körpersprache im Sport sowohl positiv als auch negativ wirken kann: Donnerstag, 30. Juni 2011, Wimbledon-Halbfinale zwischen Sabine Lisicki und Maria Sharapova.
Vom Alter her trennen die beiden Damen nur knapp zweieinhalb Jahre, von der Erfahrung und den Erfolgen im Berufstennis ein halbes Leben: Sabine Lisicki ist 62. der Weltrangliste. Sie spielt seit 2006 auf der WTA-Tour und hat dort bis heute zwei Turniersiege zu verzeichnen. Maria Sharapova ist die Nummer 6 in der Frauen-Tenniswelt, seit 2001 Tennisprofi und gewann 2004 im Alter von 17 Jahren Wimbledon. Es folgten zwei weitere Grand-Slam-Siege, bis dato darf sie auf insgesamt 23 Einzeltitel zurückblicken. Und genau diese Unterschiede sprachen die beiden Halbfinal-Kontrahentinnen auf dem Platz aus – per Körpersprache.
Da war auf der einen Seite des Courts Maria Sharapova. Sie geriet schnell mit 0:3 in Rückstand, doch ihre Mimik und ihre Körperspannung sagten etwas anderes: “Okay, Du beginnst hier überraschend gut”, schien die Russin ihrer Gegnerin über’s Netz zuzurufen, “aber mich schaffst Du nicht, mach Dir keine Hoffnung!” Ihr aufrechter Gang, ihre Selbstanfeuerungen mit der geballten Faust schienen Lisicki diese Botschaft geradezu entgegenzuschmettern, ebenso Sharapovas gehobener Kopf, der seine Umwelt selbstbewusst von oben statt verängstigt von unten betrachtet, und ihre funkelnden, blauen Augen, deren Blick zu keinem Zeitpunkt hilflos umherirrte, sondern stets fokussiert nach vorne gerichtet war.
Lisickis Mimik hingegen sagte etwas anderes: “Huch, das hätte ich ja selbst nicht gedacht, dass ich hier gleich in Führung gehe”, sprach ihr überraschter Blick, begleitet von einem amüsierten, jedoch keinesfalls erfolgsfokussierten Lächeln, “aber keine Sorge, Maria: Ich werde Dir hier keinen Strich durch die Rechnung machen!”
Unsere Körpersprache erzählt nicht nur unseren
Kontrahenten, sondern auch uns selbst,
dass wir immer noch siegen wollen und können!
Sicher, vielleicht war es gerade diese erwartungslose, entspannte Underdog-Mentalität, die die 21-jährige Berlinerin überhaupt erst in die Situation brachte, gegen die ehemalige Weltranglisten-Erste mit drei Spielen in Führung zu gehen – aber der Siegeswille, die exakt richtig dosierte Körperspannung, die Konzentration, um eine Ausnahme-Athletin wie Maria Sharapova wirklich nachhaltig zu beeindrucken, waren bei Lisicki zu keinem Zeitpunkt zu entdecken. Und so war es für Körpersprache-sensibilisierte Zuschauer nur eine Frage der Zeit, bis die Russin ihrerseits die Zügel – die sie zu keinem Zeitpunkt wirklich aus der Hand gegeben hatte – ordentlich anzog und letztendlich überlegen und souverän mit mittelmäßigem Tennis 6:4 und 6:3 gewann.
Mit der richtigen Körpersprache können wir nicht nur unserem Gegner unsere (vermeintliche) Stärke kommunizieren. Vielmehr können wir auch uns selbst deutliche Signale und Impulse senden: Ein aufrechter Gang, ein gehobener Kopf und ein fokussierter, nicht starrer Blick sind kinästhetische Anker, die unser Gehirn in der Regel mit positiven Ressourcen-Zuständen in Verbindung bringt. Diese dann auch abzurufen, fällt ihm dadurch deutlich leichter.
“Wenn Lisa (Name geändert) mir auf dem Fairway mit hängenden Schultern und gesenktem Kopf entgegenkommt, dann weiß ich, dass sie an diesem Tag nichts mehr reißen wird”, vertraute mir ein Golf-Kadertrainer mal über eine seiner Spielerinnen an. Und genau diese Botschaft transportiert diese Golferin dann nicht nur an ihren Trainer, sondern – viel schlimmer! – auch an ihre Gegnerin und an sich selbst!
“Egal, wie es steht – ich versuche bei jedem Seitenwechsel, meinem Gegner in die Augen zu schauen, denn daran erkenne ich, wie es bei uns wirklich steht”, verriet mir ein gestandener Tennisprofi. Und ein Boxer belehrte mich einmal: “Das berühmte Handtuch wirft nicht die Hand des Coaches, sondern der Blick des Gegners – meist lange, bevor es schließlich auf dem Ringboden landet.”
Wenn ich meine Sportlerinnen und Sportler auf Turnieren begleite, dann vereinbare ich mit ihnen ein ganz wichtiges Zeichen: Sobald ich mein Kinn mit Zeige- und Mittelfinger meiner linken Hand leicht anhebe, dann wissen meine Jungs und Mädels, dass es Zeit ist, ihre Körpersprache zu ändern – um sich selbst, ihren Kontrahenten und mir zu zeigen: “Ich will und werde hier gewinnen!”


Ist es nicht verwunderlich, dass man dieses Wissen nicht bewusst für sich einsetzt? Bei der (Golf-) Bundesliga hatten wir im Lochspiel auch die Devise: Immer als erstes vom Abschlag runter und auf dem Fairway mit erhobenem Haupt voranschreiten. Auch wenn wir down waren, haben wir uns mit dieser Gangart immer gut gefühlt und häufig kam das gute Spiel und dann auch ein Sieg.
Weil diese Gangart für Euch zu einer Art kinästhetischem Anker geworden ist! Außerdem habt Ihr auch in Richtung Eurer Kontrahenten ein Signal gesetzt: “Wir bestimmen das Tempo, und wir sind vorne [im wörtlichen Sinne, den das Gehirn dann aber semantisch auch auf die mentalen Aspekte überträgt]!”