Toni Kroos lässt sich nicht tunneln

Der Mittelfeld-Star des FC Bayern ist nicht nur am Ball ein Voll-Profi.

Toni Kroos
Foto: Steindy (CC BY-SA 3.0)

Toni Kroos (li.) behält den Überblick.

Eine gute Vorbereitung auf Interviews und Fernsehauftritte ist extrem wichtig. Darüber hinaus gibt es jedoch weitere Eigenschaften und Fähigkeiten, die zu entscheidenden Erfolgsfaktoren insbesondere in überraschenden Situationen werden können. Das bewies FC Bayern-Profi Toni Kroos am vergangenen Samstag im “Aktuellen Sportstudio”.

Selbstkritik

Dort war der 22-jährige Mittelfeldspieler anlässlich des 2:0-Siegs seiner Bayern gegen den VfL Wolfsburg zu Gast. ZDF-Moderator Sven Voss stieg mit der Frage ins Gespräch ein, wie meisterlich denn diese Leistung war. Toni Kroos verblüffte mit seiner zurückhaltenden Antwort Moderator und Publikum: Wenn man gewinne, sei das immer irgendwo meisterlich, aber die Mannschaft wolle eigentlich anders spielen. Der Moderator zeigte sich erstaunt, wie unglaublich selbstkritisch sein Gast sei.

Bescheidenheit

Scheinbar mühelos habe Kroos sämtliche Jugendnationalmannschaften durchlaufen, merkte Voss anerkennend an. Ob er gemerkt habe, dass er begabter gewesen sei als andere? Ja, das hätte er sicherlich gemerkt, aber das heißt noch lange nicht, dass es deswegen nur einfach für ihn war. 

Geistesgegenwart

Zum Abschluss des Interviews hatte sich die Sportstudio-Redaktion etwas Besonderes ausgedacht und zwei Magnettafeln vorbereitet: Auf der einen waren bereits einige Nationalspieler wie beispielsweise Neuer, Lahm und Schweinsteiger für die Europameisterschaft 2012 gesetzt.

Auf der zweiten Tafel hingegen wurde das Überangebot an jungen Mittelfeldspielern wie Özil, Götze, Podolski, Khedira, Müller und eben Toni Kroos selbst deutlich. Der junge Studiogast sollte nun die Nationalelf zusammenstellen und entsprechend Mittelfeldspieler von Tafel 2 auf Tafel 1 befördern, die seiner Meinung nach in der EM-Startelf stehen müssten. Einige Zuschauer stöhnten laut auf – auch sie erkannten die brisante Situation, in der sich der Studiogast auf einmal befand.

Hier bewies Kroos Geistesgegenwart und Schlagfertigkeit, ließ sich bei dem Spielchen auf keinerlei verhängnisvolle Aussagen ein: ”Ich werde hier keine elf Leute aufstellen, denn das macht der Bundestrainer.” Ja, aber nun mal ran, meinte der Moderator, doch Kroos wiederholte: Er werde hier keine Nationalelf aufstellen.

Schlagfertigkeit

Weil das Angebot an Mittelfeldspielern so groß sei, entschied der 22-jährige stattdessen: “Wir werden auf jeder Position mit zwei Leuten spielen.” Dafür gab es Szenenapplaus vom Publikum. Tja, und wo stellt denn der Toni den Toni auf, wollte der Moderator wissen. Toni Kroos setzte seinen Kopf  kurz vor Schweinsteigers in den Mittelkreis. Das griff Moderator Voss sofort auf: Also so ein bisschen offensiver als der Schweinsteiger? “Da wird schon wieder hineininterpretiert”, entgegnete ihm Kroos. 

Schließlich pappten 17 Feldspieler an der Tafel. “Eines garantiere ich Ihnen: So werden wir auf jeden Fall Europameister”, versprach Kroos und hatte die Lacher auf seiner Seite.


Über den Autor

Sven Jachmann

Sven Jachmann

Sven Jachmann begann seine journalistische Karriere 1991 bei der Bergedorfer Zeitung in Hamburg neben seinem Studium der Angewandten Kulturwissenschaften an der Uni Lüneburg. Nach seinem Volontariat und einer freien Mitarbeit bei Radio Hamburg wechselte Sven in das Redaktionsteam von Johannes B. Kerner, wo er bis Dezember 2011 arbeitete und teils auch vor der Kamera mit eigenen Beiträgen ("Wo ist Sven?", "Svens Sixpack") zu sehen war. Anschließend schrieb Sven Jachmann als Redakteur für die People-Zeitschrift "Closer". Mittlerweile ist er als freier Journalist und Kommunikationstrainer tätig.

 
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