Den inneren Schweinehund überwinden

Was wir tun können, um uns zu unliebsamen Aufgaben zu motivieren

"Nein, ich kann nicht. Ich muss doch bei ihm bleiben!" “Nein, ich kann nicht. Ich muss doch bei ihm bleiben!”
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"Nein, ich kann nicht. Ich muss doch bei ihm bleiben!"

„Wenn man ihn erst mal überwunden hat, dann geht’s“, den Spruch hat wohl jeder schon mal gehört. Gemeint ist der innere Schweinehund. Er hält uns davon ab, endlich Dinge in Angriff zu nehmen, die Kraft und Nerven kosten und unser Durchhaltevermögen erfordern. Überall dort, wo eigentlich unsere Konsequenz gefordert ist, ist der Schweinehund nicht weit. Dem ist das alles zu unbequem, und schon lassen wir es bleiben.

So  schieben wir zum Beispiel die Steuererklärung, die  wir ja theoretisch schon Anfang des Jahres fertig machen könnten, vor uns her, bis wir im Mai eine Fristverlängerung beantragen müssen.

Um unseren inneren Schweinehund „bei Fuß gehen“ zu lassen, sollten wir uns erst einmal ein genaueres Bild von ihm machen. Wie sieht er eigentlich aus? Das Wort an sich klingt schon ziemlich hässlich, das muss ja wohl ein ziemlich abstoßendes Vieh sein. Da es aber in unserem Kopf entsteht, haben wir auch einen Einfluss darauf, wie der Schweinehund aussieht.

Tipp 1: Den Schweinehund zum Schoßhund machen.

Kreieren wir uns also unseren Schweinehund nach unseren ganz eigenen Vorstellungen. Nehmen wir ihm das abstoßende Äußere! Wenn er übergroß ist, können wir ihn in ein niedlich aussehendes Schoßhündchen verwandeln. Vielleicht geben wir unserem neuen Haustier sogar einen Namen?!
Jetzt haben wir uns einen Feind zum Freund gemacht und können mit ihm – und mit uns! – entspannter und humorvoller umgehen. Das wird uns auch bei der Bewältigung der nächsten anstehenden, ungeliebten Tätigkeit helfen. Angenommen, wir stellen nach der Weihnachtszeit fest, dass wir wieder mehr Sport machen müssen, weil Glühwein, Gebäck und Gänsebraten ihre Spuren hinterlassen haben. Dann erwacht auch ganz bestimmt unser Schweinehund wieder aus seinem Winterschlaf: Er will uns vom Sport abhalten, wir wollen da aber hin. Unser Schweinehund und wir liegen also meilenweit auseinander.

Tipp 2: Einen Deal mit dem Schweinehund aushandeln.

Da hilft im nächsten Schritt nur eins: „Koalitionsverhandlungen” mit abschließendem Vertrag: „Wir gehen jetzt eine halbe Stunde zum Sport, danach gehen wir zusammen aufs Sofa.“ Sehr hilfreich ist hierbei ein maßvoller Einstieg in die Tätigkeit, zu dem wir uns leichter durchringen können als gleich zum „vollen Programm“.

Sven Jachmann (re.) mit seinem Coach Mark Warnecke Sven Jachmann (re.) mit seinem Coach Mark Warnecke
Foto: privat

Sven Jachmann (re.) mit seinem Coach Mark Warnecke

Als ich beispielsweise nach langer Zeit wieder mit Sport anfing, weil ich mein Gewicht deutlich reduzieren wollte, ließ ich mich von einem Profi beraten. Mark Warnecke, ehemaliger Schwimmweltmeister, ist heute Orthopäde und Ernährungsberater. Er zeigte mir ganze vier Kraftübungen, die ich in einer halben Stunde bewältigte. „Du musst nicht mal schwitzen, bleib locker, aber konzentriert.“

Für den Anfang reichte das. Der Sport hatte damit seinen Schrecken verloren, denn er hatte nichts mit Auspowern und totaler Erschöpfung zu tun. Diese Frustquelle war sofort versiegt. Und so ging ich locker aber konzentriert dreimal pro Woche zum Sport. Das machte ich auch meinem neuen Freund, dem Schweinehund, klar, den ich übrigens Bernie, ausgesprochen Börnie, nenne. Von da an gab es keine Ausnahmen mehr. Konsequent verfolgten wir unser Ziel. Ich hielt meinen Schweinehund an der kurzen Leine, ließ mir von ihm aber auch mal sagen, wann es gut war.

Tipp 3: Von Schritt zu Schritt denken.

Wenn neue, unliebsame Aufgaben anstehen, gilt es also, konsequent und konzentriert zu bleiben. Verfolgen Sie die Strategie der kleinen Schritte. Verplanen Sie nicht das ganze Wochenende für die Steuererklärung, sonst wird da gleich eine Riesensache draus, und Ihr Schweinehund fängt an zu stöhnen. Setzen Sie sich mit Ansagen wie „Das muss fertig werden, ich will das jetzt vom Tisch haben“ oder „Ich muss in zehn Wochen zehn Kilo abnehmen“ nicht unnötig unter Druck. Konzentrieren Sie sich auf den ersten und danach immer nur auf den nächsten Schritt. Wenn Sie sich auf diese Weise Ihren Schweinehund zum Freund und Partner gemacht haben, steht dem Erfolg nichts mehr im Wege.


Über den Autor

Sven Jachmann

Sven Jachmann

Sven Jachmann begann seine journalistische Karriere 1991 bei der Bergedorfer Zeitung in Hamburg neben seinem Studium der Angewandten Kulturwissenschaften an der Uni Lüneburg. Nach seinem Volontariat und einer freien Mitarbeit bei Radio Hamburg wechselte Sven in das Redaktionsteam von Johannes B. Kerner, wo er bis Dezember 2011 arbeitete und teils auch vor der Kamera mit eigenen Beiträgen ("Wo ist Sven?", "Svens Sixpack") zu sehen war. Anschließend schrieb Sven Jachmann als Redakteur für die People-Zeitschrift "Closer". Mittlerweile ist er als freier Journalist und Kommunikationstrainer tätig.

 
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