“Der Körper ist das, wo meine Seele drin ist…”

Top-Coach Mike Diehl weiß, wie er Elite-Soldaten, Spitzensportler, Topmanager und "Normalos" zum Fitnesstraining motiviert.

Mike Diehl

Fitness-Coach

Die deutsche Tennis-Nationalmannschaft der Damen lässt sich von ihm ebenso zum Erfolg quälen wie die Schauspieler Til Schweiger und Moritz Bleibtreu. Er ist der Fünf-Sterne-General unter den deutschen Fitness-Coaches, denn seine Art zu trainieren hat ihren Ursprung bei der Bundeswehr. Mike Diehl, ehemaliger Elite-Soldat, heute Diplomtrainer für Leistungssport sowie für Gesundheit, Fitness und Sportrehabilitation.

Neben dem Training mit Top-Sportlern, Schauspielern und Führungskräften bereitet der 48-Jährige als Fachsportleiter für Kondition und Fitness auch heute noch Bundeswehr-Truppen auf ihre Einsätze im Ausland vor. Und egal, ob Soldat oder Zivilist: Eines müssen alle seine Schützlinge ganz schnell lernen: Hard work beats talent, if the talent doesn't work hard (harte Arbeiter besiegen Talente, wenn die Talente nicht hart arbeiten).


Mike, Du bist einer der gefragtesten Personal-Trainer Deutschlands. Welche Erfahrungen haben Deinen Werdegang geprägt?

Ich wurde als Kind ausgesetzt. Nein, im Ernst: Mich hat definitiv die Bundeswehr geprägt. Ich bin bereits im Alter von 17 Jahren Soldat geworden, kam dann recht schnell in eine der wenigen Spezialeinheiten. Ich war damals schon sehr willensstark und habe mich da durchgearbeitet. Mir hat das sehr gut gefallen, weil ich ein Typ bin, der gerne die Herausforderung sucht, der sehr gerne zu sich selbst, aber auch zu anderen hart ist.

In den Sportbereich bin ich reingerutscht, weil meine Vorgesetzten bei der Bundeswehr schon relativ früh erkannt haben, dass ich körperliche Anstrengung extrem mag. Und dann hat man mich da richtig gut gefördert: Ausbildungen bis zur Trainer-A-Lizenz, und ich war sehr schnell Leitender beim Sport.

 

 

Inwiefern hat die Bundeswehr auch Deinen Trainingsstil geprägt?

Schon sehr, weil ich bereits in den ersten militärischen Einsätzen sehr schnell erkennen und lernen musste: Je besser wir trainiert waren, desto besser konnten wir kämpfen.

Es gibt im Leben ja generell zwei Grundverhalten: das Jagd- und das Fluchtverhalten. Und es ist egal, ob Du im Kampf in Afghanistan bist, so wie ich es war, oder ob Du auf dem Tennis- oder Fußballplatz stehst. Du musst kämpfen, oder Du musst fliehen. Und diese Erkenntnis habe ich in den Sport übernommen. Auch diese gewisse Härte in meinen Trainings hat ihren Ursprung bei der Bundeswehr. “Train as you fight”, heißt es da, oder auch “Train hard, fight easy”. Wenn ich als Trainer hart bin gegenüber meinem Sportler – aber immer mit Herz und Kollegialität! – dann schaff ich’s auch, dass er die Inhalte umsetzen kann.

 

Deine Kunden sind sehr oft absolute Top-Leute in ihren Bereichen. Erkennst Du bei diesen Menschen durchgängig vorhandene Sieger-Qualitäten?

Mike Diehl im Gespräch mit Harald Dobmayer Mike Diehl im Gespräch mit Harald Dobmayer
Foto: pro performance

Disziplin. Ich habe beispielsweise Kunden, die haben morgens nur von fünf bis sechs Uhr Zeit. Also vor meiner Dienstzeit. Dann stehe ich um vier Uhr auf. Die sind genau solche Champions wie ich, weil unser Training für sie einfach selbstverständlich ist. Und dann steht halt ein 65-jähriger Mentor der größten Rechtsanwaltskanzlei Europas morgens von fünf bis sechs mit mir beim Training. Das sind Champions, und gleichzeitig sind sie harte Arbeiter. Es sind alles sehr disziplinierte und zielstrebige Leute.

 

Kann man so eine Gewinnermentalität lernen? Oder ist das eine rein angeborene Sache?

Nein, das ist nicht angeboren. Und eine Gewinnermentalität zu vermitteln, ist auch eine meiner Missionen. Für mich sind dabei vier Dinge entscheidend: Erstens: “Nobody is born elite”. Sprich: Niemand wird als Profi geboren. Zweitens: “Um Profi zu werden, musst Du Deine Komfortzone verlassen.” Drittens: “Train hard”, das heißt, Du musst hart trainieren, um etwas zu erreichen. Und viertens: “Training never ends”. Wenn Du diese vier Punkte beherzigst, dann wirst Du ein Champion.

Andrea Petkovic und Mike Diehl Andrea Petkovic und Mike Diehl
Foto: privat

Andrea Petkovic und Mike Diehl

Ich kenne so viele Talente, die auf der Strecke bleiben, weil sie nicht hart arbeiten können. Und mir ist einfach ein hart Arbeitender lieber als ein Talent. Hard work beats talent, da führt kein Weg dran vorbei. Bei mir springen ja auch viele Leute ab, weil sie sagen “Der ist einfach viel zu hart in seiner Ansprache.” Die brechen ab, aber die werden auch nix. Die, die übrig bleiben, die stehen halt irgendwann vorne.

Nehmen wir mal das Tennis zum Beispiel. Angie und Petko (Tennisprofis Angelique Kerber und Andrea Petkovic, Anm. d. Red.). Ich arbeite mit denen seit ihrem 15., 16. Lebensjahr zusammen. Damals haben alle gesagt “Die Kerber kann nicht arbeiten!” “Völlig falsch”, hab ich denen geantwortet, “Ihr packt die nur alle völlig falsch an!” Und wo steht sie jetzt seit Jahren? Top Ten! Weil sie arbeiten kann. Oder Petko, die wirklich diesen Jugo-Schädel hat, diesen Balkan-Willen. Beide sind sicherlich nicht die talentiertesten Spieler, ich denke, da hatten wir schon ganz andere. Aber die sind übriggeblieben, weil sie harte Arbeiter sind.

 

Du hast gesagt “Die muss man anders anpacken.” Was bedeutet das?

Intensive Vertrauensbildung und kooperativer Führungsstil. Die müssen mir absolut vertrauen, aber auch mal sagen können, was ihnen nicht passt. Trotz allem müssen sie wissen: Wir können bis zum Training Scheiße bauen, wir können nach dem Training wieder Scheiße bauen, aber im Training bin ich der Chef. Aber nur durch Angst oder Druck zu führen, wie es viele Kollegen machen, ist ein völliger Schwachsinn.

 

Die vier Grundsätze des Mike Diehl:
 
1. Niemand wird als Gewinner geboren.
2. Willst Du Erfolg, dann verlasse Deine Komfortzone.
3. Trainiere hart.
4. Das Training endet nie.

 

Wie sieht es mit Kampfgeist aus: Kann man den lernen?

Definitiv. Kein Mensch wird zum Kämpfer geboren, ein Mensch wird zum Kämpfer gemacht. Du kannst die Leute da ranführen.

 

Und wie?

Als Vorbild vorangehen: Diehl mit dem FedCup-Team Als Vorbild vorangehen: Diehl mit dem FedCup-Team
Foto: privat

Als Vorbild vorangehen: Diehl mit dem FedCup-Team

Das Allerwichtigste ist Vorbild sein. Führen durch Beispiel. Ich gehe ja nun auf die 50 zu, und trotzdem sehen mich die jungen Leute an und sagen “Wow, der Alte hat’s ja eigentlich echt noch drauf!” Weil ich eben einfach alles vormache. Weil ich vom Kopf her probiere, frisch zu bleiben. Und weil ich denen meine eigene, persönliche Erfahrung weitergebe: Hart trainieren, die Psyche wirklich auf’s Härteste einstellen über’s Training. Wobei Du diese Extremsituationen nie über das Training darstellen kannst. Aber Du kannst sie soweit simulieren, wie’s nur möglich ist.

 

Du hast ja vorhin auch schon den Spruch erwähnt “Train hard, fight easy”. Das erinnert mich sehr an das, was ich meinen Mentalklienten erkläre: Trainiert so, als wäret Ihr im Turnier, dann fühlt Ihr Euch nachher im Turnier so, als wäret Ihr im Training. Wie wichtig ist das aus Deiner Sicht?

Das ist für mich wirklich das i-Tüpfelchen! Ich kenne genug Beispiele, da fahren die Trainer immer ein Wohlfühl-Programm. Es werden keine Match-Situationen dargestellt, weil der Sportler das nicht möchte. Völliger Schwachsinn! “Train as you fight” ist ein ganz, ganz alter Grundsatz, den hatten die Armeen schon vor hunderten, vor tausenden von Jahren.

 

Du meintest vorhin “Wir sind immer entweder auf der Jagd oder auf der Flucht.” Auch das erinnert mich wieder an eine meiner Grundregeln: Ihr müsst weg von einer “Weg von…”-Strategie und hin zu einer “Hin zu…”-Strategie. Wenn ich mir Gedanken mache “Ich muss jetzt aufpassen, dass ich das Match nicht mehr verliere “, dann bin ich automatisch in der Verteidigung. Ich muss mir stattdessen sagen “Ich will gewinnen. Ich will irgendwo positiv hin.”

Nationaltrainer Diehl Nationaltrainer Diehl
Foto: privat

Nationaltrainer Diehl

Ich sehe das ganz genauso. Bei uns Soldaten gibt es den Spruch “Angriff ist die beste Verteidigung” oder auch “Die Oberhand gewinnen”, die gehen in die gleiche Richtung.

Wechseln wir wieder vom Militärischen zum Sport: Wenn ich in die Defensive gehe, dann werde ich verlieren. Dann lasse ich die Schultern fallen, bin im Kopf schon in der Umkleidekabine. Kann nicht funktionieren.

Also gehe ich doch gerade voll drauf! Aber warum gehen so viele Sportler stattdessen zurück und haben Angst? Angst ist ja grundsätzlich etwas Perfektes, nur musst Du sie eben in Mut umwandeln!

 

Ein anderes Konzept, das mir auch sehr wichtig ist, nenne ich „Im Hier und Jetzt sein”. Ich erlebe es immer wieder, dass Klienten viel zu weit voraus- oder zurückdenken oder ihre Gedanken räumlich abschweifen. Ich könnte mir vorstellen, dass das für Soldaten ebenso gilt…

Das ist auch so. Piloten sagen ja immer “Ein Problem auf der Erde wird zum Problem in der Luft.” Private Themen und solche Sachen. Aber selbst da muss ich sagen: Ein Profi muss in der Lage sein, das auszublenden, solange er in der Luft ist. Da bin dann nur ich und mein Flugzeug. Oder ich und mein Tennisschläger. Oder ich und mein Klient vor Gericht. Oder ich und meine Waffe im Einsatz.

 

Wie bringst Du das Deinen Kunden bei?

Mike Diehl im Gespräch mit Harald Dobmayer Mike Diehl im Gespräch mit Harald Dobmayer
Foto: pro performance

Ich probiere auch da, mein Beispiel vorzuleben, indem ich sag: “Mensch, gestern hatte ich vielleicht Ärger mit meiner Frau, aber das war gestern. Ich schieb’s zur Seite, weil das Leben weitergeht.“ Ich probiere also, den jetzigen Augenblick zu leben. Und das sage ich auch meinen Kunden: “Wenn Du rausgehst in den Wettkampf, egal ob beim FedCup oder woanders, dann probiere, jetzt zu gewinnen, jetzt den Punkt zu machen. In zwei Stunden nützt es Dir nichts, weil da haste verloren. Also jetzt alles geben! Und Dich dann darüber reinarbeiten.“

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8 Kommentare zu ““Der Körper ist das, wo meine Seele drin ist…””

  • Walt
     

    Klasse Interview und klasse Typ, Dein Gesprächspartner -
    Total auf Erfolg fokussiert und damit sicher ein Gewinner.
    Eine Bereicherung, solche Leute zu kennen.

  • Michel
     

    Danke Walt…und dito;-)

  • Andy S.
     

    Super interessantes interview weiter so und viel erfolg gegen australien dem deutschen team!

  • David
     

    Das Video is fett. Ihr solltet mal was längeres mit Video machen voll interessant!!! Gute Kombi Mental und Fitness!

  • Alex the Palex
     

    Geniale Interviews hier. Wer sich weiterentwickeln will als Persönlichkeit muss diese Homepage kennen!!! Macht weiter so!

  • Erol
     

    Nach diesem Interview habe ich mir das Buch vom Mike gleich gekauft. Da gibt er auch viele mentale Tips wie man sich motivieren kann. Echt gut.

  • Stefan Schmidt
     

    Habs mir auch geholt, superklasse. gibt auch ein gratis e-book!!!

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