“The type is all off…!”

Der richtige Umgang mit dem Teleprompter

Regisseur Michael Bay Regisseur Michael Bay
Foto: Larry A. Simmons

Regisseur Michael Bay

Für Hollywood-Regisseur Michael Bay („Armageddon“, „Transformers“) begann das Jahr nicht wirklich nach Drehbuch: Als er auf der Elektronik-Messe CES in Las Vegas Samsungs neuen Mega-Fernseher vorstellen sollte, versagten dem 48-Jährigen die Nerven: Offensichtlich überaktiviert wartete er nicht ab, bis Samsungs Vice President Joe Stinziano eine offensichtlich verabredete Einleitungsfrage überhaupt stellen konnte, sondern legte sofort los: „Mein Job als Regisseur ist es, für meinen Lebensunterhalt zu träumen.“ Erst danach konnte Stinziano seine Eingangsfrage nachholen: „Michael, Du bist für unglaubliche Action bekannt. Was inspiriert Dich?“ Und Bay antwortete – nun offenbar nach Drehbuch: „Ich kreiere visuelle Welten, die komplett jenseits dessen sind, was man normalerweise so erlebt.“

Doch schon im nächsten Satz stockte Bay auffällig: „Hollywood ist ein Ort, der… der dem Zuschauer einen Zufluchtsort beschert… Als Regisseur versuche ich, …“ Und nun verschlug es Bay endgültig die Sprache. Die Erklärung dafür lieferte er nach einer beklemmenden Pause selbst: „Der Teleprompter ist ausgefallen, sorry. Aber ich werde einfach improvisieren.“

Doch auch das gelang ihm nicht. Und selbst die Rettungsversuche seines Zuspielers Stinziano („Sag uns, was Du [von dem Fernseher] hältst!“, „Wie wird der gekrümmte Bildschirm das Filmerlebnis beeinflussen?“) halfen nichts mehr. Mit einem letzten „Entschuldigung, tut mir leid, sorry“ verließ der erfolgsverwöhnte Regisseur die Bühne in Las Vegas, und der Samsung-Manager konnte nur noch kommentieren: „Meine Damen und Herren, vielen Dank an Michael Bay für den Besuch!“

Funktionsweise eines Teleprompters Funktionsweise eines Teleprompters
Grafik: grm_wnr / GFDL

Funktionsweise eines Teleprompters

Was war passiert? Schuld war nach Meinung Bays auf jeden Fall der Teleprompter: Ein Gerät, das dem Sprecher seinen Text auf eine (oder mehrere) Scheiben so projiziert, dass er ihn problemlos ablesen kann. Damit die Schrift ausreichend groß dargestellt werden kann, wird der Text von unten nach oben über den Bildschirm gefahren, wobei die Geschwindigkeit einstellbar ist.

Offensichtlich war auch die Regie von Michael Bays Frühstart überrascht. Möglicherweise startete sie den Teleprompter gleich nach Bays Redebeginn, konnte ihn jedoch, als der Regisseur sich endlich ans „Drehbuch“ hielt, nicht mehr rechtzeitig zurücksetzen und schaltete ihn daher komplett aus oder suchte verzweifelt, mit dem Regisseur Schritt zu halten.

So hilfreich Teleprompter auch sein können, ist die Gefahr, dass sie nicht richtig funktionieren, den Text zu schnell oder zu langsam ablaufen lassen oder aber den falschen Text anzeigen, nicht von der Hand zu weisen. Teleprompter-Pannen müssen auch Medienprofis immer wieder erleben, zuletzt beispielsweise Tagesschau-Sprecher Jens Riewa (Geräte-Ausfall, November 2012) und Schauspieler Margot Robbie und Jonah Hill (falscher Text bei den Golden Globes, Januar 2014).

Was diese Promis allerdings von Michael Bay unterscheiden: Sie alle gingen locker mit den Pannen um und retteten die Situation, indem sie gekonnt improvisierten. Das setzt jedoch voraus, dass man weiß, was man sagen möchte, und den Teleprompter nur als zusätzliches Hilfsmittel nutzt.

Kamera mit Teleprompter im Einsatz Kamera mit Teleprompter im Einsatz
Foto: Paolo Margari / CC BY-SA 2.0

Kamera mit Teleprompter im Einsatz

Um ein komplettes Black-out, wie Michael Bay es erlebte, zu vermeiden, hilft es, der Situation mit Humor zu begegnen: „Ich lüge Euch echt nicht an, aber gerade packen sie den falschen Text auf den Teleprompter“, verriet Jonah Hill strahlend vor dem Golden Globe-Publikum im Beverly Hilton Hotel in Los Angeles, und „Wolf of Wall Street“-Schönheit Margot Robbie bezauberte gleichzeitig mit einem wunderschönen Lächeln, bevor die beiden Schauspieler-Kollegen ihren Text einfach von einem Blatt ablasen. Beide wirkten die ganze Zeit über locker und der Situation gewachsen.

Wenn Sie in solchen Situationen mit Humor reagieren, gibt Ihnen das zum einen eine gewisse Lockerheit zurück und verhindert, dass Sie in Panik geraten. Zum anderen nimmt es Ihrem Publikum die peinliche Berührtheit und verschafft Ihnen unter Umständen sogar zusätzliche Sympathie-Punkte.

Die Weltklasse-Geigerin Hilary Hahn erzählte …personality matters!® in einem Interview zum Thema „Pannen auf der Bühne“: „Das macht doch einen Live-Auftritt aus: Sachen passieren nun mal, das macht es doch gerade interessant! Für das Publikum ist das kein Problem, solange Du nicht total durchdrehst deswegen. Die mögen sogar Momente, in denen sie Dich von einer sehr persönlichen Seite kennenlernen, und das ist ganz sicher so eine Situation. Wenn Du natürlich durchdrehst, fühlt sich auch das Publikum unwohl.“

Was, wenn der Teleprompter streikt?!
1. Text ausgedruckt zur Hand haben.
2. Beim Ablesen ab und an in die Kamera schauen.
3. Kernbotschaft(en) auswendig lernen.

Spätestens dann, wenn der Prompter nicht so funktioniert, wie er soll, sind Sie dankbar, wenn Sie vor Ihrem Auftritt ein paar Vorsichtsmaßnahmen getroffen haben:

  • Sie sollten Ihren Text noch einmal ausgedruckt einstecken haben, am besten im Din A5-Format und auf gelbem Papier in großer Schrift (mindestens 16 Punkt). Das ist einigermaßen unauffällig und trotzdem gut lesbar. Wenn Sie die Blätter souverän hervorholen und wie selbstverständlich beginnen, davon abzulesen, wird Ihr Publikum die Panne kaum bemerken.
  • Beim Lesen vom Blatt sollten Sie zwischendurch jedoch auf jeden Fall ab und an in die Kamera bzw. ins Publikum schauen, um den Kontakt zu Ihren Zuschauern nicht zu verlieren.
  • Überlegen Sie sich vorher die Kernbotschaft(en) Ihrer Rede und merken Sie sie sich anhand einiger weniger Stichworte (maximal drei!).

Tipps für die Arbeit mit dem Prompter:
1. Vorher üben.
2. Gleichmäßiges Tempo.
3.Kein starrer Blick.
4. Ausdruck mit dem Finger abfahren.

Selbstverständlich gibt es auch ein paar generelle Tipps zum Umgang mit einem Teleprompter:

  • Üben Sie das Ablesen vom Prompter, denn auch das will gelernt sein.
  • Sprechen Sie in einem gleichmäßigen Tempo. Ein für Sie angenehmes Tempo sollten Sie selbst bestimmen – nicht derjenige, der den Teleprompter bedient.
  • Schauen Sie von Zeit zu Zeit auch mal woanders hin – ansonsten bekommen Sie schnell einen starren Blick.
  • Wenn Sie zur Sicherheit gleichzeitig ein Blatt mit Ihrem Text in der Hand halten, dann fahren Sie, während Sie sprechen, mit ihrem Daumen die Zeilen ab. Im Falle eines Teleprompter-Ausfalls wissen Sie auf diese Weise zumindest immer grob, wo auf Ihrem Blatt Sie sich gerade befinden.

Hätte Michael Bay alle diese Hinweise beachtet, wäre ihm folgender Post in seinem Blog sicherlich erspart geblieben:

„Wow! I just embarrassed myself at CES – I was about to speak for Samsung for this awesome … TV. … I got so excited to talk, that I skipped over the Exec VP’s intro line and then the teleprompter got lost. Then the prompter went up and down – then I walked off. I guess live shows aren’t my thing.“


Über den Autor

Harald Dobmayer

Harald Dobmayer

Harald begann seine berufliche Laufbahn 1987 als freier Wort- und Bildjournalist für zahlreiche Zeitungen und Zeitschriften. Anfang der Neunziger Jahre verlagerte er seinen Tätigkeitsschwerpunkt in Richtung Beratung, Coaching und Training. Er arbeitet mit Spitzensportlern, Medienpersönlichkeiten und Top-Managern und bietet unter dem Markennamen pro performance® Medien- und Auftrittstraining sowie unter dem Markennamen MENT2WIN® Mental-Coachings an.

 
  • Delicious
  • Facebook
  • Twitter
  • Google
  • LinkedIn
  • Technorati
  • Auf XING teilen
  • per Mail teilen

Kommentieren: