Serena Williams: Authentisch oder ungezogen?

Auf einer Pressekonferenz sagt sie deutlich: "Ich wäre jetzt lieber nicht hier."

Gelangweilt, zickig oder einfach nur müde? Gelangweilt, zickig oder einfach nur müde?
Screenshot: USTA / usopen.org

Gelangweilt, zickig oder einfach nur müde?

Zugegeben: Sonderlich freundlich wirkte Serena Williams’ Körpersprache nicht, als sie sich auf der obligatorischen Pressekonferenz nach dem Match gegen ihre Schwester Venus bei den diesjährigen US Open den Fragen der anwesenden Journalisten stellte.

Ob man in dieser Situation mehr Freundlichkeit an den Tag legen kann, mag wohl nur beurteilen, wer schon einmal um 23.30h nach einem harten Drei-Satz-Match zur PK gebeten wurde. Was man der 33-jährigen jedoch sicherlich nicht unterstellen kann: Dass sie gegenüber Journalisten nicht ehrlich ist. Auf die Frage eines Medienvertreters, warum sie so schlecht gelaunt wirke, entgegnete sie:

„Es ist halb zwölf Uhr abends. Um 100 Prozent ehrlich mit Euch zu sein: Ich bin gerade nicht gerne hier. Ich wäre grad lieber im Bett. Ich muss morgen früh raus zum Training. Und ich habe keine Lust, diese immer gleichen Fragen zu beantworten. Und Ihr hört nicht auf, sie mir zu stellen. Ihr macht es nicht gerade zu einem Vergnügen für mich.“ Lachend fügte sie hinzu: „Ich bin nur ehrlich.“

Ist eine solche Antwort denn nun angebracht? Oder hat eine Spielerin, die ihr Preisgeld für dieses Turnier wenige Minuten zuvor auf 805.000 US-Dollar erhöht hat, gefälligst Freude auszustrahlen und jede Frage notfalls ein Dutzend Male gleichermaßen freundlich zu beantworten?

Doch dann gab's doch noch ein kurzes Lächeln... Doch dann gab’s doch noch ein kurzes Lächeln…
Screenshot: USTA / usopen.org

Doch dann gab's doch noch ein kurzes Lächeln...

Auf alle vorherigen Fragen hatte Serena zwar vielleicht keine tiefgründig analytischen oder hochgradig unterhaltsamen Antworten parat, aber sie hat sie mit der notwendigen Professionalität so beantwortet, dass die anwesenden Medienvertreter genügend Stoff für ihre Berichterstattung bekamen. Wer sich dann sehr direkt nach dem Befinden einer Sportlerin erkundigt, sollte froh sein, auch eine sehr ehrliche Antwort zu bekommen. Auch wenn es vielleicht nicht die Antwort ist, die sich ein Journalist gewünscht hätte.

Dennoch: Alles gut, Serena! Und auch die anwesenden Medienvertreter bekundeten ihr Verständnis mit amüsiertem Lachen.

Pressekonferenz mit Serena Williams bei den US Open
nach ihrem Viertelfinalsieg am 8. September 2015


Über den Autor

Harald Dobmayer

Harald Dobmayer

Harald begann seine berufliche Laufbahn 1987 als freier Wort- und Bildjournalist für zahlreiche Zeitungen und Zeitschriften. Anfang der Neunziger Jahre verlagerte er seinen Tätigkeitsschwerpunkt in Richtung Beratung, Coaching und Training. Er arbeitet mit Spitzensportlern, Medienpersönlichkeiten und Top-Managern und bietet unter dem Markennamen pro performance® Medien- und Auftrittstraining sowie unter dem Markennamen MENT2WIN® Mental-Coachings an.

 
  • Delicious
  • Facebook
  • Twitter
  • Google
  • LinkedIn
  • Technorati
  • Auf XING teilen
  • per Mail teilen

Kommentieren: